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Neue Schule Wolfsburg - "Es geht um mehr als um eine Spitzennote"
www.manager-magazin.de/privatschulen; 01.11.2011
Von Eva Buchhorn

Lernen in der Schule: Die "Neue Schule Wolfsburg" arbeitet mit kleinen Lerngruppen, ist international ausgerichtet und als Gesamtschule organisiert
Die von VW geförderte "Neue Schule Wolfsburg", die als private Ganztagsschule den Fokus auf Begabtenförderung und Internationalität legt, kann sich vor Anmeldungen kaum retten. Gründerin Helga Boldt erklärt, was die Neue Schule zu bieten hat - und was gute Schulbildung heute leisten muss.

mm: Frau Boldt, Sie haben weit mehr Bewerbungen als Plätze für neue Schulkinder. Welche Träume wollen Eltern sich bei Ihnen erfüllen?
 
Boldt: Um hochfliegende Träume geht es meist gar nicht. Eltern stellen sich als erstes die Frage: Was ist das Beste für mein Kind? Und die Kinder gehen sehr unterschiedlich an das Lernen heran, ihre Interessen und Fähigkeiten, auch ihre Lerngeschichten unterscheiden sich - oft sogar innerhalb derselben Familie. Viele staatliche Schulen können auf diese Unterschiede noch zu wenig eingehen. Eltern suchen Schulen, in denen die Besonderheit des eigenen Kindes gesehen und das jeweilige Begabungspotenzial entfaltet werden kann.
 
mm: Was machen Privatschulen denn anders?
 
Boldt: Privatschulen sind keine homogene Gruppe; sie unterscheiden sich sehr in ihren Profilen. Die Neue Schule Wolfsburg arbeitet mit kleinen Lerngruppen, fördert Begabungen individuell, ist international ausgerichtet und als Gesamtschule organisiert, weil wir Kinder nicht bereits mit zehn Jahren auf einen Bildungsabschluss festlegen wollen. Wir arbeiten bewusst in heterogenen Lerngruppen, legen viel Wert auf ein soziales Miteinander und versuchen, so viele individuell passende Angebote zu machen wie möglich. Gerade deshalb können wir auch gut auf Kinder und Jugendliche eingehen, die in sehr unterschiedlichen sprachlichen, sozialen und kulturellen Umfeldern sozialisiert sind.
 
mm: All diese Bildungsziele lassen sich vermutlich nicht erreichen, wenn Schülerinnen und Schüler mittags um eins nach Hause gehen, oder?
 
Boldt: Deshalb sind wir Ganztagsschule aus Überzeugung. In immer mehr Familien üben beide Elternteile anspruchsvolle und zeitintensive Berufe aus und müssen daher einen Teil der Erziehungsverantwortung an die Schule delegieren. Wir nehmen diese Herausforderung an und sind deshalb auch ein guter Lernort für Kinder und Jugendliche, die spezielle Unterstützung beim sozialen und intellektuellen Lernen benötigen. Ein Unterschied zu vielen anderen privaten Schulen: es wird kein Schulgeld erhoben, fast alle Eltern sind aber im Förderverein der Schule organisiert und tragen mit ihren Möglichkeiten zu einer guten Ausgestaltung des schulischen Lebens bei.
 
mm: Die Schullandschaft differenziert sich immer weiter aus, auch die staatlichen Schulen bemühen sich zunehmend um Profilbildung. Wie finden Eltern heraus, welche Schule zu ihrem Kind passt?
 
Boldt: Schon die ersten Schritte in eine Schule hinein geben Aufschluss über ihre Atmosphäre. Die Arbeitsergebnisse, die in Fluren oder Freiflächen ausgestellt werden, zeigen z.B. wie dort gelernt wird und ob auch das Nachdenken über das Lernen zum Lernen gehört. Haben alle Schülerinnen und Schüler den gleichen Text geschrieben oder das gleiche Bild gemalt oder konnten unterschiedliche Kinder auch unterschiedliche Wege gehen? Gibt es geeignete Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Klassenräume und sind auch in den Klassenräumen unterschiedliche Formen des Lernens möglich? Erkennt man, dass die Schule ein selbstgestalteter Lebensraum der Schülerinnen und Schüler ist? Ist die Anerkennung guter Lernergebnisse sichtbar? Wurde der Schulraum mit Sorgfalt gestaltet? Und kommt auch das gesunde Essen und Trinken nicht zu kurz?

Diese ersten Eindrücke sind sehr aussagestark. Außerdem geben die meisten Schulen auf ihrer Homepage Auskunft über ihre unterrichtlichen Schwerpunkte und pädagogischen Haltungen oder laden zu Informationsveranstaltungen ein. Auch diese Informationsquellen sollten Eltern nutzen. Aber sie sollten sich auch über ihre Ziele und die Interessen ihres Kindes Klarheit verschaffen! Wer nur seine eigenen, manchmal auch übersteigerten Erwartungen in das eigene Kind projiziert, wird leicht enttäuscht werden und gibt diese Enttäuschungslast an das Kind weiter.
2. Teil: Was gute Schulbildung heute leisten muss
 
mm: Mal auf den Punkt gebracht: Was muss gute Schulbildung heute leisten?
 
Boldt: Wer von Anfang an, unabhängig von den Interessen und Fähigkeiten des Kindes, nur auf eine Spitzennote im Abitur orientiert, denkt zu kurz und überschätzt die eigenen Möglichkeiten. Natürlich sind auch heute ein möglichst hochwertiger Abschluss und eine umfassende Allgemeinbildung zentrale Ziele von Schule. Aber es geht um mehr. Gute Schule soll das Kind oder den Jugendlichen darin unterstützten, ein positives Bild von sich selbst und den eigenen Lernfähigkeiten zu gewinnen: Wer bin ich? Was kann ich schon und was will ich lernen? Wo liegen meine Stärken? Wie drücke ich sie aus? Und wie kann ich mit meinen Möglichkeiten zur "Weltverbesserung" beitragen? Wir müssen Kinder und Jugendliche befähigen, ihren Platz im Leben zu finden und mit Selbstvertrauen die eigene Zukunft in gesellschaftlicher Verantwortung zu gestalten.
 
mm: Gehört dazu auch die gezielte Vorbereitung auf die komplexe Arbeitswelt des 21, Jahrhunderts, die sich viele Eltern erhoffen?
 
Boldt: Selbstverständlich. Das Lernen beginnt nicht mit dem ersten und endet nicht mit dem letzten Schultag. Früher kultivierten manche Pädagogen insbesondere in den "höheren Lehranstalten", eine gewisse Distanz zur ökonomisch und politisch geprägten Welt. Dieser realitätsfremde, romantische Blick auf Bildungsinhalte und -prozesse gehört der Vergangenheit an. Inzwischen orientieren sich alle Schulformen daran, dass die Schule nur eine, allerdings sehr wichtige, Phase im unaufhörlichen Prozess des lebensbegleitenden Lernens darstellt.

Das ist es, was wir unseren Schülerinnen und Schülern vermitteln wollen: Ihr erwerbt in der Schule Kenntnisse und Haltungen, um die Welt zu verstehen, euer heutiges Leben zu gestalten und euch ohne Angst zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Dazu gehört vor allem eine grundsätzlich fragende Haltung zur Welt: "Warum ist das so?" Wie ist es entstanden? Ist es so richtig und gerecht? Und wie kann ich es mit meinen Möglichkeiten weiter entwickeln?" Intellektuelle Fähigkeiten sind untrennbar mit sozialen Kompetenzen verbunden. Es ist letztlich immer noch der "mündige Bürger", das aufgeschlossene, wache, verantwortungsbereite und gemeinschaftsfähige Individuum, das Schule erziehen will. Und das sind auch die Fähigkeiten, die in der komplexen Arbeitswelt heute benötigt werden.
 
 
mm: Weniger als jedes zehnte Kind findet einen Privatschulplatz. Haben Eltern Anlass zur Verzweiflung, wenn sie ihren Nachwuchs am Ende doch in die Obhut des Staates geben müssen?
 
Boldt: Sicher nicht. Gute Schulen gibt es in staatlicher und in privater Trägerschaft und sie werden noch besser, wenn auch die Eltern tatkräftig mitwirken. Die zunehmende Aufgeklärtheit vieler Eltern, ihr kritischer Anspruch an gute, zeitgemäße Schulbildung und auch ein gewisser Wettbewerb um interessierte und engagierte Schüler/innen und Eltern haben schon einiges bewegt. Außerdem wird der Arbeitsmarkt für Lehrerinnen und Lehrer immer attraktiver. Es vollzieht sich gerade ein Generationenwechsel; junge, engagierte Lehrerinnen und Lehrer sind überall gern gesehen und können sich oftmals die Schule aussuchen, an der sie wirklich arbeiten wollen. Eltern sollen sich gut informieren, die Schulentscheidung mit Blick auf das eigene Kind bewusst treffen und dann aber auch selbst mit anpacken, diese Schule zu einer guten Schule zu machen.
 
 
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