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Abschlussbericht Mexiko 2017/18
Angefangen hat alles mit dem 13 Stunden langen Flug, der meiner Meinung nach ziemlich schnell umgegangen ist. Angekommen am Flughafen in Mexico City mussten wir uns dann mitten ins Chaos stürzen. Mit unseren Koffern sind wir zusammen in die Empfangshalle gegangen, um dort von gefühlt tausenden schreienden Menschen überrumpelt zu werden. Wie ich später erfahren habe, kam mit uns gemeinsam eine relativ bekannte Fußballmannschaft an. Nach langem Suchen, hunderten WhatsApp Nachrichten und mehreren Anrufen habe ich endlich meine Gastfamilie gefunden. Zu dritt sind wir dann mit dem Bus nach Puebla bzw. in das Ferienhaus nach Atlixco gefahren und ich bin natürlich direkt schlafen gegangen. Meine Gastfamilie war von Anfang an supernett und hat mir in den zweiwöchigen Ferien ziemlich viel von Puebla und der Umgebung gezeigt. Auch wenn das mit dem Spanischsprechen anfangs etwas schwerfällig war, konnten wir uns gut verständigen. Nach den zwei Wochen fing dann die Schule an, die jetzt im Nachhinein betrachtet echt komplett anders ist als unsere Schule in Deutschland. Naja, und dann kam auch bald schon das erste Erdbeben. Mein Gastvater kam nachts so gegen 12.30 Uhr in mein Zimmer und meinte ich solle mich schnell anziehen und vor die Tür kommen. Obwohl das Erdbeben dann schon vorbei war, habe ich im Unterbewusstsein immer noch gedacht, dass sich der Boden bewegt. Da ich vorher noch nie so etwas erlebt hatte, war es echt ein komisches Gefühl. Zum Glück war dieses Erdbeben aber nur ein schwaches, wodurch in Puebla und Umgebung nicht wirklich etwas passiert ist. Trotzdem hatten wir den Tag darauf schulfrei. Ein paar Tage später kam dann der Tag der Mexikanischen Unabhängigkeit, den wir in der Schule mit einer Großen Zeremonie gefeiert haben. Am Abend war ich mit meiner Gastfamilie im Zentrum von Atlixco, und wir haben uns dort das echt große und lange Feuerwerk angesehen.
Wenn nicht gerade ein Feiertag ist, hat man hier natürlich genauso seinen Alltag wie zu Hause auch. Man trifft sich nach der Schule mit Freunden, geht ins Kino oder macht etwas mit seiner Familie. Das einzige, was hierbei echt stört, ist die fehlende Selbständigkeit, denn mit Bus oder Taxi sollte man besser nicht fahren. Also ist man immer darauf angewiesen, dass man von seinen Gasteltern gefahren wird. Das ist zwar echt nervig, aber man findet sich damit ab.
Am 19.09. kam dann der Geburtstag vom Merle. Der Tag hat super angefangen: Wir saßen auf dem Schulhof, haben Kuchen gegessen und geredet. So gegen 11 Uhr kam dann eine landesweit vorgeschrieben Erdbebenübung, die aber eher etwas ungeordnet verlief. In den letzten beiden Stunden hatten wir dann Landeskunde und haben uns alle schon darauf gefreut, nach der Schule wegen Merles Geburtstag essen zu gehen. Doch wie aus dem Nichts hat es dann angefangen zu beben. Diesmal aber spürbar, hörbar und sichtbar. Innerhalb weniger Sekunden hat die gesamte Klasse den Raum verlassen und ist zum Sammelpunkt gerannt. Wobei man beim Rennen echt aufpassen musste, dass man nicht hinfällt. Nach ca. 30 bis 40 Sekunden war alles wieder vorbei. Alle Schüler standen auf dem Schulhof und mussten erstmal realisieren, was gerade passiert ist. Gut geordnet und organisiert bekamen wir dann Informationen, wie es weitergeht und nach und nach wurden wir von unseren Gasteltern abgeholt. Und erst auf dem Rückweg hat man gesehen, was so ein Erbeben eigentlich für eine Kraft hat. Kirchen waren eingestürzt, viele Häuser teilweise beschädigt und es gab vereinzelte Risse im Boden. Unser Ferienhaus in Atlixco hatte es leider auch schwer getroffen (Bilder im Anhang). Trotzdem muss ich sagen, das alles wirklich sehr geordnet verlief und man sich zu keinem Zeitpunkt unsicher fühlte. In der Woche schulfrei danach haben wir unzählige Hilfspakete für Opfer zusammengepackt und diese anschließend zu Sammelpunkten gebracht. Jetzt habe ich so viel über dieses Erdbeben geschrieben...
Natürlich habe ich auch noch andere Sachen erlebt. Ich kann echt froh sein, dass meine Gastfamilie Ausflüge und Urlaube liebt, wodurch ich fast jedes Wochenende und jede Ferien unterwegs war und viel von Mexiko kennengelernt habe. Die besten Urlaube und Ausflüge werde ich einfach mal kurz aufzählen und euch einen kurzen Einblick geben.
San Luis Potosí: Mein erster Urlaub ging nach San Luis Potosí. Eine Stadt mit ungefähr 600.000 Einwohnern sechs Stunden von Puebla entfernt. Zum Glück sind wir geflogen... Wobei man das nicht ganz Urlaub nennen kann, denn es war ein fünftägiger Ärztekongress im besten Hotel der Stadt. Das heißt, mein Gastvater war den ganzen Tag mit seinen Kollegen am Debattieren und ich habe mit meinem Austauschschüler, meiner Gastmutter und ca. 15 netten Senioren Ausflüge in der Umgebung gemacht. Der coolste war auf jeden Fall, als wir mit dem Bus drei Stunden durch Mexikos Wüste gefahren sind, um zu einem wunderschönen alten Bergdorf zu kommen. Ansonsten haben wir sehr viel gegessen und ich habe es mir jeden Abend im Whirlpool gemütlich gemacht.
Veracruz: Der wohl mexikanischste Strand, den es gibt (Liegt daran, dass alle anderen von den Amerikanern überrumpelt werden). Die vier Tage die wir da waren, waren echt Urlaub pur. Bei angenehmen 32 Grad mit einem Pina-Colada am Strand liegen und ab und zu mal ins Meer baden gehen. Zum Abschluss waren wir dann noch mit Delphinen schwimmen.
Acapulco: Was soll man zu Acapulco noch sagen. Obwohl wir nur zwei Tage da waren, war es der coolste Urlaub, den ich in Mexiko gemacht habe. Eine riesige Bucht im Pazifik voller Palmen, Booten, feiernden Menschen und guter Laune. Ich habe mir sofort ein Jetski geschnappt und bin raus gefahren. Neben mir teure Yachten, über mir der hellblaue Himmel und unter mir türkises Wasser mit rieseigen Schildkröten.
Mexico City: Eine Stadt, die wirklich alle meine Erwartungen übertroffen hat. Wenn man so hindurchgeht, fühlt man sich manchmal, als wäre man in einem kleinen Dorf, und im nächsten Moment erhebt sich vor einem ein riesiger Wolkenkratzer. Und dass diese Stadt nicht die kleinste ist, weiss wohl jeder. Da kann es schon mal gut sein, mit dem Auto zwei Stunden vom einen zum anderen Ort zu fahren. Unter anderem haben wir dort Xochimilco besucht. Ein Fluss mitten in der Stadt voller bunter Boote, singender Mariachis und blühender Blumen.
Teotihuacan: Mit einem Heißluftballon beim Sonnenaufgang über riesige Pyramiden fliegen. Obwohl ich anfangs nicht ganz so begeistert von der Idee gewesen bin, war es ein unglaubliches Erlebnis.
Hidalgo: Bis auf 105 Meter sind wir in den Grotten von Xoxafi runtergeklettert, haben uns durch sehr kleine Löcher gezwängt und abgeseilt. Unten angekommen, musste ich dann gezwungenermaßen tausende Fotos von einer Indischen Reisegruppe machen. Wieder oben angekommen ging es dann mit drei über 1800 Metern langen Ziplines über das Tal. Was für ein geiles Erlebnis. Ich frage mich aber bis heute, warum wir das genau am 24.12 machen mussten. Naja, warum auch immer, am nächsten Tag ging es dann zu den Grotten von Tolantongo. Wer noch nicht weiß, wie es im Paradies aussieht, sollte dem Ort wohl mal einen Besuch abstatten. Tropisches Klima, Wasserfälle, Grotten und Flüsse gefüllt mit warmen Wasser und das alles an einem riesigen Berghang mit einem atemberaubenden Ausblick. Einziges Problem als wir da waren: Es war alles voller Asiaten und Amerikaner, die mit ihrem Kameras den ganzen Tag das Gelände unsicher gemacht haben.
Los Cabos: Dieser Ort hat nicht ohne Grund den Namen "Das Ende der Welt". Los Cabos liegt am untersten Ende der Landzunge Mexikos. Das heißt, vor einem befindet sich nichts anders als der Pazifik. Die Sachen, die wir dort gemacht haben, hatten mit einem normalen Urlaub nichts mehr zu tun... Mit einem alten Unimog sind wir über Feldwege bis zu einer Ranch mitten im Nirgendwo gefahren. Dort angekommen wurden wir erstmal mit unseren Fortbewegungsmitteln in Kontakt gebracht. Meins war ca. 2,5 Meter groß, hieß Juan und war ein Kamel. Mit Juan ging es dann durch die Wüste Mexikos, bis wir schlussendlich am Strand angekommen sind, wo wir typisch mexikanisch gegessen haben. Natürlich durfte auch der Tequila nicht fehlen. Am nächsten Tag hieß es dann "ab zu den Königen der Meere". Mit einem Schlauchboot und gemütlichen 500 PS sind wir dann also raus aufs Meer gefahren bzw. geflogen. Vorbei an gigantischen Klippen, dicken Seerobben und jeder Menge Vögeln. Und dann saßen wir alle ganz leise mitten im Meer auf unserem Boot und warteten. Doch nicht lange, denn kurze Zeit später sprang ein ca. 20 Meter langer Blauwal aus dem Wasser und raubte allen den Atem. Was für ein Spektakel, wenn diese Kolosse wie kleine Fische aus dem Wasser springen und mit einer riesigen Fontäne wieder im Wasser landen. Am nächsten und letzten Tag ging es dann für mich und meinem Austauschschüler mit demselben Boot zu einer 30 Minuten entfernten Bucht. Taucherbrille und Taucherflossen an und ab ins türkisblaue Wasser. Viele kleine und große Fische in allen erdenklichen Farben schwammen gemütlich ihre Runden durchs Riff, und ich tat nichts anderes als begeistert zuzugucken. Nach einer halben Stunde kam dann leichte Panik auf, als sich unser Kapitän dachte, er müsste die Musik von "Der Weiße Hai" in voller Lautstärke über die Bucht schallen lassen. Danach habe ich mal mein Glück beim Standup-Paddling versucht und war überrascht, dass ich mich damit tatsächlich fortbewegen konnte. Also zumindest bis die erste Welle kam. Den Tag darauf ging es dann leider schon wieder zurück nach Puebla, wo wir mit einer Verspätung von fast vier Stunden auch irgendwann nachts ankamen. Natürlich haben wir auch noch viele andere kleine Ausflüge unternommen, von denen ich jetzt aber nicht erzähle. Sonst sitze ich hier noch zwei Stunden... Wenn man in Deutschland irgendjemanden fragt, was ihm so spontan zu Mexiko einfällt, bekommt man fast immer die gleiche Antwort: Drogen und Kriminalität. Natürlich ist da auch etwas dran, das es in Mexiko etwas mehr Kriminalität als zum Beispiel in Europa gibt, aber davon haben wir während unseres Aufenthaltes absolut nichts mitbekommen. Natürlich fährt hier mehr Polizei rum und es wird alles etwas strenger überwacht, aber ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Gerade wenn man das Glück hat, in Cholula zu wohnen, ist es kein Problem, sich mal zu Fuß auf den Weg zum Zentrum oder zum Restaurant zu machen.
Weihnachten und Sylvester in Mexiko ist auf jeden Fall anders als bei uns in Deutschland, aber keineswegs weniger schön. Schon Anfang Dezember sah unser gesamtes Haus aus wie ein Laden für kitschige Weihnachtsdekoration. Alles hat in bunten Farben geblinkt und geglitzert. Heiligabend haben wir aber nicht in unserem Haus, sondern bei der Familie meines Gastvaters in Hidalgo verbracht. Von den angekündigten 50 Gästen kam zwar nur die Hälfte, das hat der Stimmung aber nicht geschadet. Zu essen gab es eigentlich alles, von Fleisch über Salat bis zu Kartoffeln. Natürlich durfte auch hier der Tequila nicht fehlen. Nach dem Essen haben wir draußen auf dem Hof Raketen angezündet, ein großes Lagerfeuer gemacht und Pinatas verprügelt. Sylvester haben wir mit der Cousine der Mutter und den Nachbarn gefeiert. Wir haben ein paar lustige Spiele gespielt und gegessen. Und dann musste man sich in den letzten Sekunden vor Jahreswechsel jede Sekunde eine Weintraube in den Mund stecken und Essen. Naja, also ich hatte von 12 Stück am Ende noch 6 übrig... Da Feuerwerk für normale Personen in Mexiko verboten ist, standen wir dann mit Wunderkerzen draußen und wollten das Feuerwerk von anderen ansehen. Viel zu sehen gab es jedoch nicht.
Alles in allem war dieses halbe Jahr eine unvergessliche Zeit voller neuer Erlebnisse und Erfahrungen. Ob es das besondere Essen, die außergewöhnlichen Menschen oder doch die spektakuläre Natur ist, die einen einfach dazu zwingt, dieses Land zu lieben.
Wenn ihr Lust habt, ein halbes Jahr in einer komplett anderen Welt zu leben und dabei noch euer Spanisch zu verbessern, dann kann ich euch diesen Austausch nur ans Herz legen.